Wann lohnen sich
Rürup, Riester und Betriebliche?

Im Jahr 2018 verwalteten die 84 Lebensversicherer in Deutschland 83 Millionen Verträge. Inbegriffen sind 2,1 Millionen Basis-Renten, 15,7 Millionen BaV und 16,6 Millionen Riester Verträge. Für diese drei Produktkategorien wurden im Jahr 2018 wahnsinnige 2,3 Mio. Neuverträge abgeschlossen.

Von den 2,3 Mio. Kunden hätten sich vermutlich 2,25 Mio. Kunden nach einer Beratung bei mir für die deutlich bessere garantielose, fondsgebundene, private Altersvorsorge entschieden. Die übrigen 50.000 Kunden werden in ihren Ausnahmesituationen von den Produkten zumindest zeitweise profitieren oder sie haben einen Versicherungsvertreter in der Familie, den Sie nicht brüskieren wollten. Bitte prüfen Sie selbst, ob Sie zu diesen 1 % gehören!

Basis-Rente (Rürup-Versicherung)

Für 99% der Kunden lohnt sich die Rürup-Versicherung nicht.

Eine mögliche Konstellation, bei der sich eine Rürup doch lohnen kann, ist folgende:

Ein 60 Jahre alter, verheirateter Unternehmer hat mit seinem Unternehmen ein sehr gutes Wirtschaftsjahr (fast) hinter sich gebracht. Im Dezember entscheidet er sich aus Steuergründen eine Einzahlung in seinen Rürup-Vertrag zu tätigen. Er investiert den Höchstbetrag von 48.610 €, wovon 42.776 € von seiner Steuer absetzbar sind. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % zahlt er in diesem Jahr somit 17.965 € weniger Steuern zahlen. Da er 7 Jahre später in Rente geht, entspricht das einer Rendite vor Kosten von ca. 6,8% pro Jahr. [Inflation und Steuern gegenrechnen wie immer!] Wäre er aber erst 30 Jahre alt und würde er die Vorteile des Vertrags ebenfalls maximal ausnutzen, entsprächen die gleichen Zahlen einer Rendite vor Kosten, vor Inflation von 1,255% pro Jahr. Das wäre dann natürlich keine sinnvolle Geldanlage mehr.

Riester-Vertrag

Und nochmal. Für 99% der Kunden lohnt sich die Riester-Rente nicht.

Eine mögliche Konstellation, bei der sich eine Riester-Rente wirklich lohnen kann, ist folgende:

Eine alleinerziehende Mutter mit 4 Kindern, alle noch unter 10 Jahre alt sind, bestreitet einen Halbtagsjob als Bürokauffrau. Letztes Jahr hat sie jedoch nicht gearbeitet. Sie muss nur 60 € Eigenanteil („Sockelbeitrag) einzahlen und erhält eine hohe Summe an Zulagen jährlich (1.375 €). Dieser Vertrag kann sich lohnen, bis die Kinder nicht mehr förderfähig sind. Danach sollten Sie den Vertrag dringend beitragsfrei stellen. Nach 30 Jahren Laufzeit mit 2 % Inflation p.a., 2 % Kosten p.a. und etwa 10 % Steuern einmalig bleiben ca. 340 €. Das entspricht dann einer Rendite von ca. 6%. In diesem Fall ein guter Deal, da Sie im Vorjahr kein Einkommen hatte und nur 60 € zuzahlen muss. Für die meisten Versicherungsnehmer eines Riester-Vertrags bleibt aber nach Abzug der Inflation, der Vertragskosten und der Steuern nur eine negative Rendite übrig. [Schon ab x € Eigenanteil wäre die Rendite negativ]

Betriebliche Altersvorsorge

Und wieder. Für 99% der Kunden lohnt sich die Betriebliche Altersvorsorge nicht.

Eine mögliche Konstellation, bei der sich eine Betriebliche Altersvorsorge wirklich lohnen kann, ist Folgende:

Der mächtige Betriebsrat eines großen Konzerns fordert eine Gehaltserhöhung für alle Beschäftigten in Höhe von 6 %. Der Konzern einigt sich mit dem Betriebsrat auf 2 % Gehaltserhöhung und eine arbeitgeberfinanzierte, betriebliche Altersvorsorge von ca. 2 % des Brutto für jeden Arbeitnehmer. Der Konzern legt einen Versicherungspartner fest, profitiert so von Provisionsrückvergütungen und reduziert seine Sozialversicherungsausgaben durch die betriebliche Altersvorsorge. Arbeitnehmer können von günstigen Konditionen profitieren. Der Arbeitnehmer erhält jedes Jahr eine Zahlung seines Arbeitgebers in seine betriebliche Altersvorsorge, ohne das er einen Eigenanteil leisten muss. Das ist dann natürlich eine gute BaV für den Arbeitnehmer. Bei einer notwendigen Zuzahlung des Arbeitnehmers von 50% und einer restlichen Vertragslaufzeit von 30 Jahren wäre das bereits wieder kein gutes Investment mehr. Hätte der Arbeitnehmer stattdessen mit seinen 50 % in die garantielose, private Altersvorsorge eingezahlt, hätte er mehr Kapital erwirtschaftet, als mit zusätzlichen 50 % Einzahlung durch den Arbeitgeber in die renditeschwache und zumeist sehr teure betriebliche Altersvorsorge mit Steuernachteilen.