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Assetklassen: Definition, Übersicht & historische Renditen [bis 2021] von Anlageklassen

Was ist eigentlich eine Assetklasse? Und warum sollte ich mein Geld in verschiedene Anlageklassen investieren? In diesem Beitrag erklären wir Ihnen – auch anhand zahlreicher Infografiken –, was Assetklassen genau sind und welche Rolle diese in Ihrem Anlagemix (Portfolio) spielen. 

Bevor wir weiter ins Detail gehen, erfahren Sie hier…

…das Wichtigste in Kürze über Assetklassen:

  • Aktuelle Studien belegen, dass die richtige Wahl der Anlageklassen maßgeblich den Erfolg Ihrer Geldanlage ausmacht – zu über 90 Prozent!
  • Zu den wichtigsten Anlageklassen gehören Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Geldmarkt, Immobilien, Kryptowährungen sowie Sammlerstücke.
  • Bei der Unterteilung in Anlageklassen oder Assetklassen (von engl. asset = „Vermögensgegenstand“) handelt es sich also um die Gruppierung von Finanzprodukten – aufgrund gemeinsamer Merkmale.
  • Jede Anlageklasse weist für sich ein individuelles Risiko-Rendite-Profil auf und ist somit mit unterschiedlich hohen Risiken und Chancen verbunden.
  • Ein diversifiziertes Portfolio mit ausgewogenen Risiko-Rendite-Eigenschaften erzielt man am besten durch die Kombination verschiedener Anlageklassen (Asset Allocation).
  • Wer sein persönliches Risikoprofil genau kennt, weiß, wie er sein Vermögen auf verschiedene Assetklassen aufteilen kann bzw. soll.
  • Ein langfristiger Anlagehorizont sowie eine breite Streuung innerhalb und zwischen Anlageklassen gelten als die wichtigsten Faktoren einer erfolgreichen Geldanlage.
  • Für jeden Anleger ist ein anderer Mix im Portfolio richtig, da jeder Mensch ein anderes Rendite-Risiko-Verhältnis wünscht.

Welche Assets bzw. welche Anlageklassen gibt es?

Die Bedeutung von Anlageklassen ist insbesondere vor dem Hintergrund zu betrachten, dass Assetklassen untereinander korrelieren. Das heißt: Wenn die Aktienkurse fallen, steigen in aller Regel die Renditen von Anleihen, Immobilien und Rohstoffen (z. B. Gold) an. Anders gesagt: In Zeiten von Wachstum steigen die Aktienkurse von Unternehmen an. In Zeiten einer Rezession entwickeln sich Staatsanleihen, Immobilien und Rohstoffwerte meist positiv für Anleger.

Korrelationseffekte nutzen?

Anleger investieren ihr Geld also in verschiedene Assetklassen, um das Risiko zu minimieren, in schlechten Marktphasen (z. B. Krisen) zu viel Vermögen zu verlieren. Da manche Assets negativ korrelieren (z. B. Aktien & Rohstoffe), erstellen Anleger ein “Portfolio” aus mehreren Anlageklassen, um mögliche Verluste abzufedern und in guten wie schlechten Marktphasen profitieren zu können. 

Assetklassen: Übersicht

Was die wichtigsten Anlageklassen auszeichnet, haben wir für Sie in dieser Grafik zusammengefasst:

Was ist ein Klumpenrisiko?

Ein Klumpenrisiko besteht etwa dann, wenn Anleger ihr gesamtes Vermögen in nur eine Aktie, einen Markt oder auch eine Immobilie investieren. Egal wie sicher die Gewinnchancen zum Zeitpunkt des Investments aussehen: Wer nur auf eine Karte setzt, kann viel verlieren, wenn unerwartete Ereignisse auftreten. Daher ist eine Faustregel beim Investieren die Diversifikation: die breite Streuung des Vermögens – innerhalb und zwischen verschiedenen Anlageklassen!

Übersicht über wichtige Anlageklassen – Definition & Vergleich

Im Folgenden gehen wir auf die wichtigsten Anlageklassen genauer ein, stellen Ihre jeweiligen Besonderheiten dar und bieten Ihnen eine Übersicht, in welche Finanzprodukte – passend zu jeder Assetklasse – Sie investieren können.

Definition: Was ist eine Assetklasse?

Unter einer Anlageklasse versteht man eine Gruppierung von gleichartigen Instrumenten zur Geldanlage, die gemeinsame Merkmale aufweisen. Da es eine große Vielfalt an Finanzprodukten auf dem Markt gibt, bietet die Unterteilung in Assetklassen eine grobe Orientierung und erleichtert es Anlegern, sich im Dschungel an Investitionsmöglichkeiten gezielter zurechtzufinden.

Aktien

Definition: Was sind Aktien?

Aktien sind Wertpapiere und machen dem Besitzer zum Anteilseigner eines Unternehmens. Über den Aktienkurs nimmt man also an der Entwicklung des Unternehmenswerts teil. Bei steigendem Aktienkurs fahren Anleger Gewinne ein, bei fallenden Kursen machen sie Verluste.

Handel & Finanzprodukte

Was früher nur an den Börsen möglich war, geht heutzutage bei Ihrer Hausbank: Aktienhandel. Wenn Sie dort ein Depot errichten, können Sie Aktien – je nach Bank – über verschiedene Börsenplätze handeln. Als Finanzprodukte stehen Ihnen zehntausende Einzelaktien (z. B. Siemens, Tesla, Apple), hunderte passive Indexfonds (ETFs) sowie etliche aktiv gemanagte Fonds zur Verfügung.

ETF (passiv)

  • passiv gemanagte Fonds
  • an der Börse handelbar
  • transparent & einfach zu verstehen

Aktive Fonds

  • aktiv gemanagte Fonds
  • kann den Index outperformen
  • höhere Renditen möglich als bei ETFs

Einzelaktien

  • Klumpenrisiko 
  • an der Börse handelbar
  • echte Diversifikation kaum möglich
  • eher geeignet für “Zocker”

Mehr erfahren über: Aktive Fonds vs. Passive ETF?  

Mehr Informationen und Inhalte über die genauen Unterschiede zwischen aktiv gemanagten Fonds und passiven ETFs finden Sie hier >>> auf der Website zur Geldanlage inkl. Erklärvideo!

Risiko-Rendite-Eigenschaften

Langfristig betrachtet haben Sie mit Aktien gute Chancen, stattliche Gewinne zu erwirtschaften. Doch Finanzprodukte, die hohe Renditen in Aussicht stellen, bergen ein gewisses Risiko. Deshalb sind bei Aktieninvestments zwei Dinge besonders ausschlaggebend:

  1. Anlagehorizont: Je länger Sie in Aktienfonds investieren, desto sicherer fahren Sie Renditen ein!
  2. Diversifikation: Einzelaktien sind für “Zocker”. Wer in Fonds investiert, streut das Risiko!

Was ist ein ETF?

Ein ETF (Exchange Traded Funds) ist ein börsengehandelter Indexfonds. Meist verbergen sich hinter ETFs Aktienfonds, wobei Sie Aktien-(Anteile) von hunderten Unternehmen mit nur einem Produkt erwerben können. Genauso gibt es auch ETFs auf Rohstoffe (ETCs), Anleihen oder Immobilien – und neuerdings sogar auf Kryptos.

Der Vorteil eines indexbasiertes Fonds ist der, dass Sie als Anleger genau wissen, in welche Märkte bzw. Assets sie investieren. Denn ein ETF bildet immer die Wertentwicklung von Marktindizes (z. B. DAX, EuroStoxx 50, S&P 500) ab. Bei aktiv gemanagten Fonds entscheidet hingegen der Fondsmanager, welche Wertpapiere in den Aktienkorb kommen und welche nicht. Daher können aktive Fonds höhere Renditen erzielen und anders als passive Fonds (ETFs) den Markt “outperformen”.

Mit Blick auf historische Renditen erkennt man deutlich, dass das Risiko, am Aktienmarkt Verluste zu machen, praktisch gegen null geht – zumindest ab einem Anlagehorizont von mehr als 15 Jahren.

Darstellung vom deutschen Aktieninstitut über die Wahrscheinlichkeit am Aktienmarkt Gewinne zu erzielen in Abhängigkeit von der Haltedauer.

Vorteile und Nachteile von Aktien

Vorteile

  • große Auswahl an Produkten
  • hohe Renditechancen
  • Diversifikation möglich über aktive/passive Fonds
  • an der Börse handelbar (über jede Hausbank)

Nachteile

  • starke Kursschwankungen möglich
  • Verluste muss man mit Geduld aussitzen.
  • hohe Sicherheit nur bei langfristiger
    Anlagestrategie

Anleihen

Definition: Was sind Anleihen?

Unternehmen oder Staaten geben Anleihen aus – zu einem festen Zinssatz, für eine gewisse Laufzeit – und beschaffen sich so neues (Risiko-)Kapital. Im Grunde funktionieren Anleihen ähnlich wie ein Kredit: Als Besitzer von Anleihen sind Sie der Gläubiger und der Staat (oder das Unternehmen) der Schuldner. Dabei beeinflusst das Marktzinsniveau die Kurse: Fallen die Zinsen, steigt der Preis der Anleihen und umgekehrt.

Handel & Finanzprodukte

Ähnlich wie bei Aktien können Sie Anleihen unkompliziert über ein Depot bei Ihrer Hausbank handeln. Als Finanzprodukte stehen Ihnen tausende Staatsanleihen, Unternehmensanleihen sowie auch Anleihen-ETFs zur Verfügung: mit Letzteren bündeln Sie Anteile mehrerer Anleihen in einem Produkt.

Staatsanleihen

  • Schuld-verschreibungen von Ländern
  • werden mit einem festen Zinssatz (“Coupon”) verzinst 
  • das investierte Geld inkl. Zinsen wird oft am Ende der Laufzeit ausbezahlt

Unternehmens-
anleihen

  • Schuld-verschreibungen von (inter-)nationalen Firmen
  • Bonität des Unternehmens beeinflusst den Zinssatz
  • Risiko ist größer als das von Staatsanleihen

Anleihen-ETFs

  • Indexfonds, der aus Anleihen-Papieren besteht
  • Viele einzelne Anleihen werden in einem Produkt gebündelt
  • breitere Diversifikation als der Kauf einzelner Anleihen

Risiko-Rendite-Eigenschaften von Anleihen

Die Zahlungsfähigkeit des Schuldners, seine Bonität, wird von sog. Ratingagenturen bewertet: Anleihen mit einer hohen Bonität (deutsche Staatsanleihen mit AAA) sind sicherer als jene mit einer niedrigen Bewertung (griechische Staatsanleihen mit BB). Allgemein gelten Anleihen als risikoarmes Investment und werden besonders wegen ihrer großen Planbarkeit geschätzt. Als Risikofaktoren gelten Bonität und Laufzeit:

  1. Bonität: Je höher die Bonität der Papiere, desto geringer sind Risiko und Rendite.
  2. Laufzeit: Je kürzer die Laufzeit (bis zur Rückzahlung), desto geringer sind Risiko (und Rendite).

Gut zu wissen:  

Suchen Sie nach einer möglichst sicheren Geldanlage, eignen sich Staatsanleihen mit hoher Bonität (mindestens AA) und einer kurzen Laufzeit von maximal 2 bis 3 Jahren. Denn gut bewertete Anleihen mit längeren Laufzeiten fahren eher geringe Renditen ein, die derzeit etwa 0,5 % Prozent betragen. Da die Inflationsrate in Deutschland bei etwa 2% liegt, sollten Sie niemals ihr ganzes Vermögen in Anleihen investieren.

Vorteile und Nachteile von Anleihen

Vorteile

  • große Auswahl an Produkten – für unterschiedliche Risikoprofile
  • Anleihen mit hohen Ratings und geringer Laufzeit gelten als risikoarme Geldanlage
  • Zahlungsausfälle vom Gesetzgeber so gut wie ausgeschlossen
  • Diversifikation einfach möglich über Anleihen- bzw. Bond-ETFs
  • Zinserträge sind meist gut planbar

 

Nachteile

  • Zinsen von Anleihen mit hohen Ratings (= wenig Risiko) liegen oft unterhalb der Inflationsrate
  • eine wirklich positive Rendite (inflationsbereinigt) eher mit riskanten Anleihen möglich
  • Bei Anleihen in ausländischer Währung besteht Wechselkursrisiko
  • Bei langen Laufzeiten sind hohe Kursschwankungen möglich
  • Investitionen in einzelne Anleihen nur mit hohen Summen möglich

Spareinlagen: Geldmarktfonds, Tagesgeld, Festgeldkonto…

Definition: Welche klassischen Spareinlagen gibt es?

Spareinlagen sind die beliebteste Assetklasse in Deutschland. Zu dieser Anlageklasse gehören etwa Tagesgeldkonten sowie Festgeldkonten. Der große Vorteil dabei war und ist, dass das Geld bei deutschen Banken sicher ist. Prinzipiell ist ein Tagesgeldkonto weniger riskant als ein Investment in Aktien oder Anleihen, doch aufgrund der niedrigen Zinsen hat man derzeit keine Aussicht auf Rendite.

Warum Liquidität wichtig ist?

Trotz niedriger Zinsen und Inflation sollten Sie einen Teil Ihres Vermögens immer als Notgroschen zurückhalten. Das hat zwei Gründe:

  1. In schlechten Börsenphasen sind Sie somit nicht gezwungen, die (Aktien-)Anlagen in Ihrem Depot frühzeitig zu verkaufen, sondern können die Rezession geduldig aussitzen.
  2. Wenn spontane Ausgaben anfallen – z. B. eine neue Waschmaschine, ein neuer Kühlschrank, eine Autoreperatur ein teurer Urlaub usw. –, sollten Sie dafür einen Teil Ihres Geldes flüssig haben, damit sie keinesfalls auf Ihre Geldanlage zurückgreifen müssen.

Handel & Finanzprodukte

Um in Krisenzeiten “flüssig”, also liquide zu sein, sollten Sie immer einen Teil Ihres Vermögens als Spareinlage zurückhalten. Dafür stehen Ihnen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

Tagesgeldkonto

  • eine komfortable Lösung, um Geld kurzfristig anzulegen
  • dient als Ergänzung zum Girokonto
  • Tagesgeldzinsen kommen auf das Guthaben
  • Geld ist schnell verfügbar – ohne Kündigungsfrist

Festgeldkonto

  • sichere Geldanlage für längere Zeiträume
  • garantierter Festzins für die gesamte Laufzeit
  • verschiedene Laufzeiten wählbar
  • Auszahlung des Geldes (inkl. Zinsen) nach vereinbarter Laufzeit

Geldmarktfonds

  • Geldmarktfonds investieren (Zertifikate, Termineinlagen, Schuldscheine, Anleihen)
  • eher für institutionelle Anleger interessant
  • Private Investoren benötigen großes Kapital, da Erträge eher überschaubar sind

Was ist der Unterschied zum Girokonto?

Tagesgeldkonten (oder Festgeldkonten) und Girokonten können sich ideal ergänzen, weil sie zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden. Das Girokonto ist das flexibelste Konto, wird kaum bis gar nicht verzinst und dient dem alltäglichen Zahlungsverkehr. Aber: immer mehr Banken verlangen von Ihren Kunden bereits „Strafzinsen“, teilweise schon ab 50.000 € Guthaben auf dem Girokonto!


Auf einem Tagesgeld bzw. Festgeldkonto wird hingegen das nicht für den Alltag benötigte Geld geparkt, um höhere Zinsen dafür zu erhalten. Überweisungen, Daueraufträge oder sonstige Zahlungen können daher auch nicht über ein Festgeld- oder Tagesgeldkonto abgewickelt werden. Wenn Sie auf dieses Geld zugreifen möchten, brauchen Sie ein Referenzkonto – in aller Regel Ihr Girokonto.

Risiko-Rendite-Eigenschaften

Spareinlagen sind – abhängig von der Kontoart – nicht jederzeit (vollständig) verfügbar und man erwirtschaftet mit Ihnen letztlich nur minimale Zinsen. Aufgrund der niedrigen Zinsen und einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2 %* machen Sie mit Ihrem Geld auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto eher Verluste als Gewinne. Dennoch empfiehlt es sich, einen Teil des Vermögens als Notgroschen dort zu parken.

*Hinweis zur Inflationsrate von 2 %:

Bei der Nico Hüsch GmbH berechnen wir die Inflation langfristig stets mit 2% pro Jahr, da „etwa 2 %“ von allen relevanten Zentralbanken als Ziel definiert ist.

Vorteile und Nachteile von Spareinlagen

Vorteile

  • keine Kursschwankungen bei Tages- & Festgeldkonto
  • Geldanlage gesetzlich gesichert
    (z. B. bei Insolvenz der Bank)
  • kurzfristiger Zugriff auf das Geld
  • ideal für einen liquiden Notgroschen
    (Empfehlung: mind. 2 Nettogehälter)

Nachteile

  • geringe Kursschwankungen bei Geldmarktfonds
  • geringe Renditen aufgrund sehr niedriger Zinsen
  • Inflationsrate (ca. 2 %) höher als Verzinsung:
    >> daher realer Kaufkraftverlust

Warum Spareinlagen alleine nicht zur Geldanlage dienen

Folgende Grafik illustriert Ihnen, warum Spareinlagen alleine nicht zur Geldanlage dienen können.

Grundannahmen für dieses – inflationsbereinigte! – Rechenbeispiel:

  • 10.000 Euro Spareinlagen über 5, 10, 20 und 30 Jahre
  • Inflationsrate 2 % (durchschnittlich)
  • Aktienrendite weltweit 6,6 % (durchschnittlich)
  • Verzinsung der Spareinlage 0,5 % (durchschnittlich)

Eigentlich hätten Sie nach 30 Jahren bei Ihrer Spareinlage (Verzinsung von jährlich 0,5%) ein Vermögen von 11.614,00 Euro angespart: Da die Inflationsrate aber dafür sorgt, dass der angelegte Geldbetrag jedes Jahr ø 2 % seines nominellen Wertes verliert, kommt man genau genommen auf 6.411,75 Euro.

Das gilt übrigens auch für die Investition in die Aktien weltweit. Ohne den Effekt der Inflation würde der Betrag nach 30 Jahren Laufzeit 68.032,41 Euro betragen anstatt der tatsächlichen 37.558,71 Euro!

Rohstoffe

Definition: Investieren in Rohstoffe?
Da sich Rohstoffe wie Öl, Gas, Kaffee oder Weizen nur schwer bis gar nicht lagern lassen, werden Rohstoffe bis auf wenige Ausnahmen – wie z. B. Gold, das man auch physisch besitzen kann – indirekt gehandelt. Dabei werden Rohstoffe in vier Gruppen eingeteilt: 

  1. Energierohstoffe (Öl, Erdgas, Kohle etc.)
  2. Industriemetalle (Kupfer, Silizium, Nickel, Zinn etc.) 
  3. Edelmetalle (Gold, Palladium, Platin etc.) 
  4. Agrarrohstoffe (Weizen, Kaffee, Baumwolle).

Handel & Finanzprodukte

Fast alle Rohstoffe lassen sich über die Börse handeln: Sie brauchen also lediglich ein Depot bei Ihrer Bank errichten und können diverse Rohstoffe – je nach Bank – über verschiedene Finanzprodukte handeln. Um in Rohstoffe zu investieren, stehen Ihnen z. B. folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

Rohstoff-Aktien

  • Erwerb nur indirekt möglich über: (Aktien-)Beteiligung an Unternehmen, die Rohstoffe abbauen bzw. produzieren
  • Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage
  • Wegen Lieferengpässen sind Rohstoffaktien neuerdings wieder stärker nachgefragt

ETCs (Rohstoff-Fonds)

  • Exchange Traded Commodities (ETCs) sind börsengehandelte Rohstoffe
  • Schuldverschreibungen/Wertpapiere, die an die Entwicklung der Rohstoffpreise knüpfen
  • einfacher Zugang (ohne Umweg über eine Rohstoffaktie) zu direkten Investments in Rohstoffe

Gold

  • kann physisch erworben werden (auch über die Börse als Xetra-Gold)
  • auch handelbar über eine große Auswahl an Gold-ETCs
  • gilt als stabiler Anker in Krisenzeiten (daher der Spitzname “Krisenmetall“)
  • Goldkurs an sich ist aber stark volatil

Warum ist Gold bei (deutschen) Investoren so beliebt?

Als “Krisenmetall“ genießt das Edelmetall Gold einen guten Ruf bei deutschen Anlegern und wird gerne als Beimischung ins Portfolio hinzugenommen. Dabei ist Gold keineswegs ein solch sicheres Investment, wie viele meinen. Denn Gold wirft keine laufenden Erträge wie Dividenden oder Zinsen ab. Zudem ist das Edelmetall stark volatil und verzeichnete in der Vergangenheit auch lange Verlustphasen. Grundsätzlich verbessert Gold zu einem gewissen Satz (5 % bis 10 %) die Diversifikation im Portfolio und erweist sich besonders in Krisen als relativ stabil.

Risiko-Rendite-Eigenschaften von Rohstoffen

Rohstoffe als Anlage lassen sich am ehesten mit der Spekulation auf eine Einzelaktie vergleichen: Als Einzelanlage weisen Rohstoffe ein hohes Klumpenrisiko auf und sind daher für die meisten Privatanleger nicht empfehlenswert. Als Beimischung (zu etwa 5–10 %) im Portfolio können sie jedoch zur Diversifikation beitragen. Hier die wichtigsten Short-Facts zu den Risiko-Rendite-Eigenschaften von Rohstoffen:

  • Rohstoffe weisen seit 2001 im Schnitt eine schwache Rendite auf.
  • Sie sind verbunden mit hohen Risiken und haben teilweise lange Durststrecken.
  • Rohstoffe erwirtschaften keine laufenden Erträge.
  • Aufgrund coronabedingter Lieferengpässen steigen die Preise seit 2020/2021 stark an.
  • Rohstoffaktien & ETCs sind neuerdings wieder stärker nachgefragt.

Gut zu wissen:

Inflationsbereinigt bewegt sich die historische Wertentwicklung von Rohstoffen um die Nulllinie herum. Gleichwohl waren in der jüngsten Vergangenheit bei einigen Rohstoffen (z. B. Palladium, Rhodium) sehr hohe Renditen möglich. Als Beimischung im Portfolio können Rohstoffe also durchaus Sinn ergeben, aber: Achten Sie darauf, dass Sie auch innerhalb der Anlageklasse streuen und dass Sie die Rohstoffe, in die Sie investieren, auch wirklich verstehen – z. B. die Besonderheiten, die mit der Produktion zusammenhängen, oder die politischen Zusammenhänge wie beim Ölpreis.

Vorteile und Nachteile von Rohstoffen

Vorteile

  • hohe Risiken & hohe Renditechancen
  • Diversifikation möglich über verschiedene Rohstoff-Aktien & Rohstoff-ETCs
  • können als Inflationsschutz dienen, da bei steigender Inflation in der Regel die Preise für Rohstoffe steigen
  • empfehlenswert eher als Beimischung im Portfolio zu etwa 5 bis 10 %

Nachteile

  • erwirtschaften keine laufenden Erträge
  • Entwicklung der Rohstoffpreise sind schwer zu verstehen oder intransparent
  • sind stark volatil
  • als Einzelanlage hohes Klumpenrisiko

 

Immobilien

Definition: Investieren in Immobilien

Die wohl beliebteste Assetklasse der Deutschen sind Immobilien. Die am weitesten verbreitete Investitionsform ist hierbei die Direktanlage in eine Wohnung oder ein Haus., z.B. durch den Erwerb eines Eigenheims. Anlagekriterien spielen dabei jedoch eine untergeordnete Rolle: Wer sich ein Eigenheim leistet, sollte dies nicht zur Geldanlage tun. Denn bei einer einzelnen Immobilie ist das Klumpenrisiko extrem hoch – egal, wie gut die Aussichten auf eine Wertsteigerung beim Kauf sein mögen. 

Laut einer aktuellen Umfrage von YouGov sind Immobilien – trotz Corona-Krise – unter deutschen Investoren immer noch beliebter als Aktien, Gold oder Lebensversicherungen:

Handel & Finanzprodukte

Neben dem Direktkauf der eigenen vier Wände können Immobilien auch an der Börse gehandelt werden – z.B. über Immobilien-ETFs, die REITs (Real-Estate-Investment-Trust) genannt werden. Bei Immobilienfonds (ETFs, REITs) sind generell zwei Arten zu unterscheiden:

  1. Offene Immobilienfonds: Offene Immobilienfonds legen zwar keine preislichen Grenzen, aber sehr wohl Fristen für die Haltedauer fest – idr eine Mindesthaltedauer von 12 Monaten. Danach müssen Anleger nochmal 12 Monate warten, bis das Geld ausbezahlt wird. Grundsätzlich findet in offenen Fonds ein konstanter Handel mit Immobilien statt und Investoren werden entsprechend an den Kursentwicklungen beteiligt.
  2. Geschlossene Immobilienfonds: Geschlossene Fonds sammeln nur so lange Geld ein, bis die Finanzierung der Immobilien gedeckt ist. Dann wird die Immobilie gewinnbringend verkauft oder vermietet und die Anleger werden an den Gewinnen beteiligt.

Eine andere Möglichkeit ist das sogenannte Crowdinvesting, wobei sich mehrere Anleger zusammenschließen und breit gestreut in den Markt investieren. Hier sehen Sie eine Übersicht über Möglichkeiten des Immobilieninvestments:

Direktkauf (Eigenheim)

  • meist verknüpft mit einer hohen Kapitalbindung
    (i. d. R. Immobilienkredit)
  • Wertentwicklung wird häufig falsch eingeschätzt
  • hohes Klumpenrisiko
  • eher aus persönlichen Gründen als zur Geldanlage geeignet

 

REITs (Immobilien-ETFs)

  • spezielle Immobilien-AGs, die 90 % ihres Gewinns (oder mehr) an ihre Aktionäre ausschütten
  • Partizipation an etlichen Immobilien weltweit
  • Investments in nachgefragte Bürogebäude, Einkaufszentren, Hotels
  • Diversifikation einfach möglich

Crowdinvesting

  • Handel über private Crowdinvesting-Plattformen
  • Viele Anleger finanzieren gemeinsam ein Immobilienprojekt
  • Nach Projektende bekommen die Investoren ihr Kapital – inkl. Zinsen – zurück
  • Renditen bis zu sechs Prozent möglich – bei hohem Ausfallrisiko!

Risiko-Rendite-Eigenschaften bei Immobilien

Der Kauf einer einzelnen Immobilie als Anlageprodukt ist immer mit einem Klumpenrisiko behaftet. Wer sein gesamtes Vermögen in nur ein Eigenheim investiert, kann sein Vermögen nicht mehr breit diversifizieren – eine Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Geldanlage. Mit Immobilien-ETFs bzw. REIT-Indexfonds ist das Klumpenrisiko wieder vom Tisch, da …

  • man mit einem Produkt in viele Immobilien in verschiedenen Ländern investiert,
  • das Risiko-Rendite-Profil attraktiver ist,

die Produkte transparent und liquide (über die Börse) handelbar sind.

Vorteile und Nachteile von Immobilien

Vorteile

  • stabile und attraktive Rendite möglich
  • Immobilien dienen als Inflationsschutz (Sachwerte).
  • können gewisse steuerliche Vorteile mit sich bringen
  • Über Fonds und REITs ist eine Diversifikation möglich = geringeres Risiko 

Nachteile

  • starke Kursschwankungen möglich
  • Verluste muss man mit Geduld aussitzen
  • hohe Sicherheit nur bei langfristiger Anlagestrategie

Kryptowährungen

Definition: Was sind Kryptos? Welche Kryptos gibt es?

Kryptos oder Cyber-Währungen sind digitales Geld. Der Name leitet sich ab von Kryptografie, der Wissenschaft zur Informationsverschlüsselung. Denn bei Kryptos werden alle Daten zu Inhabern und Transaktionen verschlüsselt gespeichert – i. d. R. dezentral auf etlichen Servern gleichzeitig. Durch ihre besonderen Technologien zur Verschlüsselung gelten Kryptos als extrem fälschungssicher. 

Beliebt sind sie auch deshalb, weil sie sich einer Kontrolle durch Banken oder Staaten teilweise entziehen. Doch sind Staaten unlängst im Begriff Einfluss auf das System zu nehmen (z. B. durch Besteuerung der Gewinne, etc.). Und auch die vielfach angepriesene “Anonymität” gilt inzwischen als widerlegt.

Zu den bekanntesten Kryptowährungen auf dem Markt gehören:

  1. Bitcoin: Der Bitcoin gilt als Mutter aller Kryptowährungen. Dabei handelt es sich in erster Linie um einen Wertspeicher, der sich als Zahlungsmittel gar nicht so gut eignet, wie man oft glaubt. Viele sprechen von einer Art digitalem Gold.
  2. Ethereum: Diese Kryptowährung wurde für Transaktionsverarbeitungen konzipiert und eignet sich daher besonders gut, um digitale Verträge abzuschließen. 
  3. Litecoin: Dieser Krypto zeichnet sich gegenüber dem Bitcoin durch schnellere Transaktionsbestätigungen aus und ist eher für den Zahlungsverkehr gedacht.

Ripple: Diese Währung wird u. a. als Zahlungsmittel im Bankensystem erprobt, damit Auslandsüberweisungen schneller und kostengünstiger werden.

Krypto ist nicht gleich Krypto!

Denn die Technik, die dahinter steckt (z. B. Blockchain beim Bitcoin), und damit der eigentliche Zweck der Cyberwährung kann von Krypto zu Krypto stark variieren. Wer also in eine Kryptowährung investieren möchte – laut der Branchen-Website coinmarketcap.com gibt es mehr als 5.000 Kryptowährungen –, sollte sich unbedingt mit der Technologie auseinandersetzen, die dahinter steckt. Nur so lässt sich das Potenzial wirklich beurteilen.

Handel & Finanzprodukte

Für den Handel mit Kryptos gibt es spezielle Online-Marktplätze. Anders als echte Börsenplätze sind diese Handelsplätze für Kryptos nicht reglementiert und keiner Kontrolle unterworfen. Manche schließen so schnell, wie sie aufmachen. In jüngster Vergangenheit wurden sogar einige Handelsplätze gehackt oder erwiesen sich als Betrug. Und selbst wenn man einen seriösen Handelsplatz gefunden hat, muss man sich noch um die Verwahrung seiner Währungen im Wallet kümmern. Dafür werden Gebühren verlangt. Mittlerweile gibt es auch verifizierte Anbieter auf dem deutschen Markt, welche die die Möglichkeit bieten, Kryptos einfach und seriös zu handeln.

Krypto-CFDs

  • CFDs funktionieren ähnlich wie ein Wert­papier
  • Steigt der Wert der Digital­währung, steigt auch der CFD
  • kein physischer Besitz der Internet­währung
  • über Börsen handelbar
  • ohne Wallet einfach via Kreditkarte und PayPal handelbar
  • Hebel-Geschäfte (Swaps) möglich

Krypto-ETPs

  • ETPs sind ETNs
    (= Exchange Traded Notes)
  • an die Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Basiswertes gekoppelt
  • Investitionen in Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen möglich
  • Krypto-Wallets sind nicht erforderlich für den Handel.
  • an seriösen Börsen handelbar

“echte” Kryptos

  • Kauf über spezielle (nicht immer seriöse) Online-Marktplätze möglich
  • Einrichtung einer elektronischen Brieftasche (= Wallet) nötig
  • Transaktions-gebühren sind gering, da die Überweisung von Person zu Person stattfindet
  • Trans­aktionen können völlig anonym erfolgen

 

Risiko-Rendite-Eigenschaften [Kryptos]

Der Kryptowährungsmarkt ist nicht nur relativ neu, sondern auch speziell. Die Kurse fallen und steigen – im Vergleich zu anderen Anlageklassen – in einem extrem hohem Tempo. Zudem ist das Volumen, das täglich gehandelt wird, oft erstaunlich hoch. Bei der bekanntesten Kryptowährung, dem Bitcoin, ist es nicht unüblich, dass innerhalb von 24 Stunden Milliardensummen im zweistelligen Bereich gehandelt werden – deutlich höhere Summen als bei beliebten Aktien wie Tesla, Apple, Netflix oder Amazon. Außerdem gilt für Kryptos:

  • Die Kursentwicklung der Kryptowährungen hängt ausschließlich von Angebot und Nachfrage ab.
  • Eine Regulierung durch den Staat oder Notenbanken findet nicht statt.
  • Aufgrund der extremen Volatilität sind in kurzer Zeit hohe Gewinne wie enorme Verluste möglich.

Gut zu wissen:

Da der Markt noch relativ unreif ist, wird sich erst zeigen, welche Cyber-Währungen zukunftsfähig sind und welche nicht. Wer trotzdem in digitale Währungen investieren möchte, sollte das nur mit einem kleinen Teil seines Vermögens angehen, denn der Markt ist sehr volatil.

Vorteile und Nachteile von Kryptos

Vorteile

  • hohe Renditen in kurzen Zeiträumen möglich
  • zu kleinen Anteilen im Portfolio rentabel
  • anonymer Zahlungsverkehr möglich

Nachteile

  • starke Kursschwankungen möglich
  • gesetzlich nicht reguliert
  • Totalausfall jederzeit möglich
  • Zukunft (einzelner Kryptos) noch ungewiss

Risiko-Rendite-Eigenschaften der Assetklassen im Vergleich

Hier sehen Sie nochmal die Rendite-Risiko-Eigenschaften aller Anlageklassen kurz und bündig auf einen Blick:

Historische Renditen wichtiger Anlageklassen 2006-2021

Blickt man auf die historischen Renditen verschiedener Anlageklassen bzw. Assetklassen – in diesem Fall von weltweiten Aktien der Industrieländer (MSCI World), Aktien der Schwellenländer (MSCI Immobilien (REITs), Gold (Rohstoff) und amerikanischen Staatsanleihen – erkennt man, dass gewisse Anlageklassen miteinander  korrelieren, sei es positiv oder negativ. (Dazu erfahren Sie gleich mehr).

Die Werte und Graphen beziehen sich auf folgende Indizes: Aktien – Welt: International Developed Stocks – MSCI EAFE Index Schwellenländer-Aktien: EM Stocks – MSCI Emerging Markets Index Immobilien: REITs – FTSE NAREIT All Equity Index Amerikanische Anleihen: High Grade Bonds – Bloomberg Barclays U.S. Agg Index

Korrelation zwischen Assetklassen bzw. Anlageklassen

Die Korrelation beschreibt die wechselseitige Beziehung von Anlageklassen untereinander. Entweder korrelieren Assetklassen positiv oder negativ – das bedeutet Folgendes:

  1. positive Korrelation: Steigt eine Anlageklasse in ihrem Wert, steigt auch die andere.
  2. negative Korrelation: Hierbei ist es umgekehrt und die Investments entwickeln sich gegenläufig.

Was meint negative Korrelation genau?

Aktien korrelieren z. B. negativ mit Anleihen und Rohstoffen. Den Effekt davon kann man oben bei der Grafik zu den Historischen Renditen wichtiger Anlageklassen 2006-2021 gut sehen: Im Krisenjahr 2008 fielen die Aktienkurse weltweit, während hingegen der Goldpreis und der Wert von US-amerikanischen Staatsanleihen gestiegen ist. Assetklassen korrelieren also dann negativ, wenn ihre Wertentwicklung gegensätzlich verläuft.

Damit spielt die Korrelation eine tragende Rolle beim Aufbau eines ausgewogenen – breit diversifizierten – Portfolios. Denn der richtige Mix an Assetklassen im Portfolio kann starke Schwankungen ausgleichen und mehr Ruhe in Ihre Geldanlage bringen. Man nennt das Diversifikation.

Was in der Realität zwar so nicht vorkommt, aber dem Ideal der negativen Korrelation entspricht: Wenn sich zwei Anlageklassen A und B exakt gegenläufig verhalten, würden sie sich in ihrer Wertentwicklung genau ausgleichen.

4. Diversifikation & Assetklassen: “Breit gestreut nie bereut”?

Das Ziel einer jeden Geldanlage ist es, innerhalb eines gewissen Anlagehorizonts (Zeitraum) eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, integrieren Sie idealerweise unterschiedliche Anlageklassen in Ihr Portfolio. Doch warum sollten sie das tun? Für einen langfristigen Vermögensaufbau sollten Sie keinesfalls Ihr ganzes Vermögen auf eine Karte setzen.


Vielmehr gilt es, einen Mix aus verschiedenen Assetklassen zusammenzustellen, sodass Sie Ihr Gesamtrisiko minimieren. “Breit gestreut, nie bereut” lautet ein unter Anlegern beliebter Spruch. Diese Strategie ist auch bekannt als Diversifikation, also die möglichst breite Streuung seiner Assets. Der Nobelpreisträger Harry Markowitz brachte dies auf den einfachen Nenner:

“Lege nicht alle Eier in einen Korb.”

Diversifikation innerhalb und zwischen Assetklassen:

Beim “Big Topic” Diversifikation gilt es Folgendes zu unterscheiden. Ein breit diversifiziertes Portfolio enthält nicht nur verschiedene Anlageklassen – z. B. Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Anleger können auch innerhalb einer Assetklasse diversifizieren. Dabei geht es darum, dass man z. B. in viele Aktien (weltweit) gleichzeitig investiert, anstatt alles nur auf ein Unternehmen zu setzen. Am einfachsten geht das über aktive oder passiv gemanagte Fonds.

Die beliebtesten Anlageklassen der Deutschen

Blickt man auf aktuelle Zahlen erkennt man allerdings, dass der Großteil der deutschen Haushalte das Prinzip der Diversifikation noch nicht allzu ernst nimmt, wie folgende Grafik zeigt:

Wie die Deutschen ihr Geld (theoretisch) anlegen würden

Interessant an der oberen Grafik ist besonders die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Anlageverhalten und wie Befragte ihr Geld anlegen würden, wenn man Ihnen 100.000 Euro zur Verfügung stellen würde. Denn das zeigt folgende Grafik:

Assetklassen im Portfolio: Asset Allocation

In der Theorie haben also viele Menschen bereits verstanden: Wer Geld mit einer rentablen Rendite ansparen möchte, kommt um Aktien kaum herum. Doch wie sieht ein solches Portfolio in der Praxis aus? Hier sehen Sie zwei Vorschläge, wie ein Portfolio-Mix – auch Asset Allocation genannt – in der Praxis aussehen kann. Das linke Portfolio eignet sich dabei für vorsichtige Investoren, das rechte für risikofreudige.

Warum ein Welt-ETF nicht reicht

Kann ich die richtige Aufteilung (Diversifikation) meines Vermögens nicht einfach mit einem Welt-ETF erreichen? Kurz gesagt: Nein. Ein klassischer Welt-ETF wie der MSCI-World birgt insbesondere mit seiner Länder-Allokation ein gewisses Klumpenrisiko, da der USA-Anteil übertrieben hoch ist:

 

Länder- und Branchen-Allokation des MSCI-World Index

Welche Schwächen – in puncto Diversifikation – hat der MSCI-World?

Der Index…

  • gewichtet die asiatischen und afrikanischen Länder nach ihrer heutigen Wirtschaftsmacht (Marktkapitalisierung), obwohl das weltweite Bevölkerungswachstum nahezu zu 100 % auf diese beiden Kontinente zurückgeht.
  • beinhaltet grundsätzlich keine Schwellenländer oder Entwicklungsländer – so würde ein entsprechender ETF in Wachstumsmärkte wie China, Indien oder Afrika nicht investieren.
  • berücksichtigt fast nur große Unternehmen (Blue Chips), wenige mittlere (Mid Caps) und keine kleinen Unternehmen (Small Caps).
  • gewichtet Unternehmen mit Sitz in den USA mit 60 % (Klumpenrisiko!).

Fazit: Eine echte Diversifikation über Regionen, Unternehmen und Branchen
weltweit findet nicht statt!

Diversifizierte Geldanlage nur mit Aktien bzw. Fonds?

Ist dann eine diversifizierte Geldanlage nur mit Aktienfonds überhaupt möglich? Mit ein wenig mehr Risikobereitschaft und vor allem einem langen Anlagehorizont lautet die Antwort ganz klar: Ja! Mit der richtigen Anlagestrategie können Sie die Vorteile des Aktienmarktes nutzen, ohne zu viel Risiko einzugehen.

In der folgenden Grafik sehen Sie eine vereinfachte Darstellung eines oft genutzten Portfolios der Kunden der Nico Hüsch GmbH für den langfristigen Vermögensaufbau. Diese in der Weltwirtschaft breit diversifizierte Geldanlage besteht aus 5 Aktienfonds und erwirtschaftete zwischen 2008 und 2021…

  • eine durchschnittliche Rendite von ø 14,45%.
  • Der MSCI-World erwirtschaftete im selben Zeitraum ø 7,34 %.

Diese Anlagephilosophie folgt dem Ansatz, dass eine Geldanlage in den Wachstumsmärkten etwas stärker gewichtet sein soll – also: stärker im Vergleich zum MSCI-World Index (ETF). Dieser gewichtet die asiatischen und afrikanischen Länder nach ihrer heutigen Wirtschaftsmacht (Marktkapitalisierung). Aber:

  • Es ist eine belegbare Tatsache, dass zu der heutigen Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden Menschen im Jahr 2019 bis ca. 2050 ungefähr 2 Milliarden Menschen hinzukommen werden. 
  • Jeder einzelne Mensch ist ein potentieller Kunde der größten Unternehmen der Welt, in die Sie investieren sollten. 
  • Fakt ist auch, dass das Bevölkerungswachstum nahezu zu 100 % auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent stattfindet.

Bei einem anderen Portfolio der Nico Hüsch GmbH wurden zum Beispiel folgende Änderungen im Vergleich zum MSCI vorgenommen:

Mit einem China-Fonds und einem Asia-Fonds wurde der Asien-Anteil im Portfolio erhöht – von 16 % (MSCI) auf 23 % (Erhöhung um ~50 %). Der USA-Anteil wurde entsprechend abgesenkt: von 57 % (MSCI) auf 39 % (Verringerung um ~50 %). Ebenfalls erhöht wurde der Anteil von mittleren Unternehmen in Europa und der Anteil der Technologiebranche im Allgemeinen – von 15 % (MSCI) auf 34 % (Erhöhung um ~110 %).

Anlageklassen im Portfolio: je nach Risikoprofil

In welche Anlageklassen Sie letztendlich investieren und wie genau Ihre Asset Allocation dann ausfällt, hängt maßgeblich von Ihrem persönlichen Risikoprofil ab. Um zu ermitteln, welcher Anlegertyp Sie genau sind, gibt es verschiedene Online-Tools, wie zum Beispiel von Union Investment. Dort werden Ihnen einige Fragen gestellt, um basierend auf Ihren Antworten Ihr individuelles Risikoprofil zu ermitteln. 

Wie Renditechancen und Risiko bei den einzelnen Assetklassen zusammenhängen, zeigt Ihnen diese Grafik:

Assetklassen und der Faktor Zeit

Last but least ist es besonders der Faktor Zeit, der sich auf die Wahl Ihrer Assetklassen auswirken wird. Wer über einen langen Zeitraum investiert, muss nicht unbedingt zwischen verschiedenen Anlageklassen streuen. Eine Diversifikation innerhalb der Anlageklasse Aktien kann durchaus ausreichend sein, wie folgende Grafik eindrucksvoll zeigt.

Zinseszinseffekt “das achte Weltwunder?”

Albert Einstein hat sicher nicht ohne Grund vom Zinseszinseffekt als achtes Weltwunder gesprochen. Den Effekt können Sie selbst mit jedem x-beliebigen Zinseszinsrechner online nachprüfen. Je länger der Zeitraum des Sparens ist, desto mehr “explodiert” Ihre Rendite. Übrigens ist auch der Börsen-Guru Warren Buffett der Ansicht, dass der Effekt des Zinseszins und damit der Faktor Zeit zum wichtigsten Erfolgsfaktor beim Investieren gehört. Selbst mit kleinen Sparraten können Sie mit viel Zeit kleine Vermögen erreichen.

Assetklassen & Market Timing?

Auch wenn es vielen Anlegern in Krisenzeiten in den Fingern juckt: Geduld ist eine Tugend beim Investieren. Sie sollten besser nicht versuchen, klüger als der Markt zu sein, etwa durch das richtige Market Timing. Denn: Ein gelungenes Market Timing ist immer Glück oder Zufall und (fast) niemals Können. 

Wer den richtigen Portfolio-Mix passend zu seinem Risikoprofil gefunden hat, profitiert nicht vom Versuch, schneller als der Markt zu sein: Im Gegenteil: Wie folgende Grafik zeigt, kann Market Timing für langfristig orientierte Anleger sogar gefährlich sein. Unter Umständen verliert man viel Geld, wenn man entscheidende Tage oder Wochen an der Börse verpasst!

10.000 Euro DAX-Investment – ohne die besten Börsentage

Anlagehorizont

 Wertentwicklung  

Rendite in Prozent

2000-2020
(gesamter Zeitraum)

16.700 Euro

+67 %

2000-2020
(ohne die besten 5 Börsentage)

10.200 Euro

+2 %

2000-2020
(ohne die besten 10 Börsentage)

7.200 Euro

-28 %

2000-2020
ohne die besten 15 Börsentage)

5.300 Euro

-47 %

Fazit: Investitionen streuen – innerhalb und zwischen Anlageklassen?

Fassen wir abschließend nochmal die wichtigsten Aspekte zusammen, worauf es beim Investieren innerhalb und zwischen verschiedenen Assetklassen wirklich ankommt. 

Diese acht Regeln sollten Sie immer beherzigen:

  1. Reduzieren Sie Ihre Auswahl auf wenige Anlageklassen.
  2. Legen Sie Ihren Anlageschwerpunkt auf Aktienfonds.
  3. Wählen Sie einen möglichst langen Anlagehorizont (mind. 10 Jahre bis 15 Jahre).
  4. Ermitteln Sie Ihr persönliches Risikoprofil.
  5. Versuchen Sie nicht, schneller als der Markt zu sein (Finger weg von Market Timing).
  6. Streuen Sie Ihr Investment nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Anlageklasse.
  7. Halten Sie einen Notgroschen zurück (idealerweise zwei Nettogehälter).
  8. Investieren Sie in keine Assetklasse, die Sie nicht verstehen.

Last but not least: Wenn Sie Ihr Portfolio zur richtigen Geldanlage gefunden haben, vertrauen Sie dem Faktor Zeit! Der berühmte ungarische Journalist, Schriftsteller und Börsenexperte André Kostolany bringt es auf den Punkt: 

Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

FAQs – Wichtige Fragen kurz erklärt

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